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Von der Reise vom Erdkern – Stockholm. Ein Citytrip

Oktober 18, 2011

Nahezu endlos erschienen uns die Rolltreppen der U-Bahn (tunnelbana), die uns von den Gleisen wieder an die Erdoberfläche brachten. Teilweise fuhren wir über 3 verschiedene Rolltreppen, bis wir das Licht der Sonne wiedererblickten. Ebenso endlos waren wohl die Wege, die wir auf der Flucht vor den anderen Touristen Jagd nach den Sehenswürdigkeiten der Stadt zurückgelegt haben.

Die Altstadt (Gamla Stan) hat einige schöne Häuser und Gässchen zu bieten, ich hatte allerdings mehr hanseatisches Flair erwartet. Die Flut an Touristen und Souvenirgeschäften trägt auch nicht gerade dazu bei, dass die Atmosphäre gemütlicher wird. Die Tyska Kyrkan (Deutsche Kirche) sollte man auf jeden Fall gesehen haben!

Sehenswert ist in jedem Fall auch die Wachablösung am Stadtschloss. Von einer Blaskapelle begleitet tauschen die Soldaten in eher alberner Manier ihre Posten. Ein Brauch, der lediglich zur Bespaßung der Touristen aufrechterhalten wird, wie mir scheint, denn ob das nun eine Ehre oder eine Strafe ist, daran teilzunehmen, kann wohl nur die königliche Wache selber wissen.

Stockholm ist auf mehreren Inseln erbaut, was der Stadt den Titel „Venedig des Nordens“ einbrachte. Djurgården ist eine davon, auf der sich das Freiluftmuseum Skansen, das Noriska Museum (ein beeindruckender Bau) und auch das Vasamuseet befinden. Letzteres war eines meiner persönlichen Highlights. Das Museeum wurde extra für das Kriegsschiff Vasa gebaut, welches im 17.Jh auf seiner Jungfernfahrt bereits nach 1200m kenterte, da es falsch konstruiert war. Etwa 300 Jahre lag es auf dem Grund des Stockholmer Archipels, bis es endlich geborgen und ausgestellt werden konnte.

Das Schloss, in dem die königliche Familie heute noch wohnt, liegt etwas außerhalb. Schloss Drottningholm ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Auch wenn es nicht so stark beeindruckt, wie etwa Sanssouci oder Schönbrunn, so bekommt man doch einen Einblick in die vllt eher zurückhaltenden Gemüter der Skandinavier und das Kina Slott (das asiatische Palais) ist ein netter Hingucker. Man sollte unbedingt die Innenräume betreten! Durch das imposante Treppenhaus kann man unter anderem einen Blick in die Bibliothek erhaschen! (Die königliche Bibliothek in Östermalm lohnt sich höchstens von außen oder für Architekturfans auch der Innenausbau, ich hatte etwas älteres erwartet. Kann ich mir das Wochenende jetzt eigentlich als Bildungsurlaub anrechnen lassen?) Seit ich das Schloss gesehn habe frage ich mich allerdings, wie die Zimmer der königlichen Familie eingerichtet sind. IKEA oder mittelalterliches Himmelbett? Playstation oder verstaubtes Puppenhaus? hm…

Am Wochenende gibt es kostenlose Führungen durch den Reichstag. Wenn man sich früh genug in die Schlange stellt, hat man auch gute Chancen, zu der Gruppe der etwa 30 Touristen zu gehören, die an der Führung teilnehmen können (anders als wir, denn ausgerechnet vor unserer nase wurden die Türen geschlossen) 😦

In der tunnelbana kann man übrigens, wenn man aufmerksam ist, viel Kunst erleben. Nicht umsonst wird sie als „längste Kunstausstellung der Welt“ beworben. Die Hauptattraktion, die Station Kunsträdgården wird natürlich umgebaut, wenn wir sie sehen wollen… schade.

Unser Hostel befand sich auf Södermalm. SoFo (in Anlehnung an das NewYorker Szeneviertel Soho: South of Folkungagatan) ist das hippe Viertel der Stadt, in dem wir an einigen netten Bars und Shops vorbeibummelten, auf dem Weg zur Chokladfabriken, die sich nicht zu besuchen lohnt, außer man möchte Schokomarmelade mit zurück bringen!

Erwähnenswert sind auch das Stadshuset, das Kulturhuset, das Konzerthuset und diverse Markthallen. In den historischen Saluhallen in Östermalm kann man lecker frühstücken, in den Kungshallen gibt es alles zu essen, was man braucht und in den Hötorgetshallen direkt gegenüber kann man das geschäftige Markttreiben live beobachten.

Grundnahrungsmittel ist in Schweden übrigens die Kanelbulle (Zimtschnecke), die wir jeden kalten morgen vor dem Supermarkt auf einer Imbissbank zu uns nahmen. Ein kulinarisches Erlebnis ist die schwedische Antwort auf Kebap: Tunnbrödsrulle! Man bekommt zwei Kugeln Kartoffelbrei, ein Würstchen, Salat und Zwiebeln, sowie Ketchup und/oder Senf eingerollt in türkische Pizza-Teig! Kann man wohl für den Kick probieren… kann man zur Not aber auch getrost lassen 🙂

Stockholm ist definitiv eine europäische Metropole, die einen Besuch wert ist. So vieles gibt es zu sehen, was man nicht in 5 Tagen unterbringen kann. Viele Museen für schlechtes Wetter und viele Parks für den Sommer. Schiffsausflüge kann man nur in den Sommermonaten machen, vielleicht ist Mai-September also die beste Reisezeit. Wir hatten allerdings auch Mitte Oktober noch den schönsten Sonnenschein, der Stockholms Gewässer schillern und die gefärbten Blätter rot und golden leuchten ließ.

Was ursprünglich als Besuch bei Claudia gedacht war, wurde zu einem City-trip mit der Gäng ;), den ich und meine Füße so schnell nicht vergessen werden! Danke an euch alle.

Zuletzt noch ein Tipp: Pasta Celine auf der Hornsgatan in Södermalm macht die beste Pasta! Wenn ich mich jetzt erinnern könnte, wo es die Riesenpizza gab, würde ich das auch noch posten!

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